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Plattenläden in Frankfurt Vinyl als Glaubensfrage (von Lukas Gedziorowski, Frankfurter Rundschau, 12.8.2016)
Ein lesenswerter Artikel über unser Ladengeschäft „analogetontraeger“. Weiterhin werden andere Läden in Frankfurt dargestellt. Über folgenden Link zu erreichen:
http://www.fr-online.de/frankfurt/plattenlaeden-in-frankfurt-vinyl-als–glaubensfrage,1472798,34617012.html

Gefragte Umdrehungen: Tipps für den Plattenspieler-Kauf
von Von Jochen Wieloch, dpa
Als 1887 die erste Schallplatte das Licht der Welt erblickte, ahnte sicher niemand, dass die Erfolgsgeschichte des analogen Tonträgers bis heute andauern wird. Immer noch fertigen Dutzende Hersteller Plattenspieler. Doch was macht ein gutes Gerät aus?
Kompletter Artikel:
Interessanter Artikel aus der FAS (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung): Der wahre Wert liegt im Hörgenuss
Ein interessanter Artikel über das Sammeln von Schallplatten, Schallplatten als Wertanlage im Allgemeinen und Möglichkeiten, den Wert einer Platte zu ermitteln. Den Artikel finden Sie im Archiv der FAZ/FAS (kostenpflichtig):
FAZ/FAS- Archiv
Interessanter Artikel aus der Rhein-Main-Zeitung (Frankfurter Allgemeine Zeitung): „Vieles kriegen Sie nicht über Amazon“
Ein interessanter Artikel über Frankfurter Plattenläden; im Fokus/Gespräch: Ingo Schittko von Sick Wreckords und Martin Ehlers von Memphis Records.  Den Artikel finden Sie im Archiv der FAZ/FAS (kostenpflichtig):

http://fazarchiv.faz.net/

Eine Bewertung auf yelp, die uns besonders gut gefallen hat:“Obwohl ich nichts im Laden gekauft habe, ich bekam einen sehr guten Eindruck von dem Besitzer und seinem Assistant. Die zwei haben mit mir kurz von Equipment gesprochen, und ich fand sie beide sehr hilfreiche und kennerhafte Kerle. Sie haben mir auch Geduld gezeigt, da ich Ausländer aus den USA bin und Deutsch ist meine Zweitsprache. Die Sortiment von Jazz und Klassik war auch super. Ich habe gestern den Laden ohne den Teil, den ich noch brauche, verlassen, aber ich werde bald wieder besuchen und etwas länger durch die Platten schauen.“http://www.yelp.de/biz/analogetontraeger-frankfurt-am-mainExtra-Tipp Frankfurt, 19.07.2014
Geschäftsführer von Frankfurts ältestem Schallplattenladen im Interview

Frankfurter Plattenladenbesitzer über den Vinyl-Kult

Frankfurt – Michael Baumann ist Geschäftsführer des Number Two, Frankfurts ältestem Schallplattenladen. Er verrät, warum er den analogen Klang liebt, immer mehr junge Menschen die Platte entdecken und welche besondere Beziehung er zu Jimi Hendrix hat. Von Dirk Beutel

Selbst junge Musikhörer schwören auf den analogen Klanggeschmack. Warum?

Man sagt ja, die Schallplatte klingt weicher, wärmer. Ich bin damit aufgewachsen, ich kannte eigentlich nur diesen Klang. Dann kam die CD. Alles war plötzlich so präsent, so weit im Vordergrund. Da haben manche gesagt, dass das einfach besser klingt. Es war aber nur teilweise in gewissen Tonlagen angeglichen, mehr Höhen mehr Mitten reingedreht, dadurch entstand der Eindruck, dass sich der Sound auf einer CD voluminöser anhöre. Für mich allerdings war der Klang der Schallplatte immer das Nonplusultra.

Schon kleinste Verschmutzungen sorgen dafür, dass es auf einer Platte knackst und rauscht. Nicht gerade etwas für die Generation mp3.

Vielleicht stören sich einige daran. Die Liebhaber sagen, eine Schallplatte darf auf keinen Fall springen, aber ein bisschen knistern gehört irgendwie dazu. Klar – wenn man seine Platten pflegt, passiert das erst gar nicht, dann klingt es einfach nur gut. Dass das Handling bei einer CD oder bei einer mp3 unkomplizierter ist, ist klar. Sie sind unempflindlicher, viel praktischer. Die kann man mit ins Auto nehmen oder einfach unterwegs hören. Die Schallplatte kann man eben nur zu Hause hören.

Kann man sagen, dass man sich mit einer Schallplatte auch ein Stück Ruhe zurückholt?

Das würde ich auf jeden Fall sagen. Wenn man sich eine Platte anhören will, raucht es eine gewisse Zeit. Man holt sie aus dem Cover, platziert sie auf dem Plattenteller, vorsichtig wird der Tonarm heruntergelassen. Das ist schon fast eine Zeremonie. Da kommt man auch ein bisschen runter. Na ja, der große Nachteil: Spätestens ab der Hälfte des Werks muss man aufstehen und die Platte umdrehen.

Wer kommt denn nun in Ihren Laden und fragt nach Schallplatten? Ausschließlich gehobene Semester?

Die, die echte Fans und Sammler sind, gehören zu der Generation 40plus. Es ist zwar erfreulich, dass langsam Jüngere dazukommen, aber die eigentlichen Sammler, mit einer großen Sammlung sind eben älter. Die haben halt schon vor 30 Jahren angefangen.

Suchen, stöbern gehört in Ihrem Laden dazu. Haben Sie selbst auch mal einen kleinen Schatz, eine Rarität entdeckt?

Schon öfters. Auf dem Flohmarkt findet man Platten, die wirklich Geld wert sind. Man muss sich auskennen und die Platten erkennen. Die LP „Indian Summer“ habe ich für fünf Euro gekauft. Jetzt verkaufe ich sie für 150 Euro. Als ich selbst das erste Mal mit 18 Jahren auf dem Flohmarkt meine ältesten Platten verkauft habe, weil ich dachte, dass ich die nicht mehr brauche, habe ich die auch für fünf Mark pro Stück verkauft. Und hab mich danach noch gewundert, dass gerade die am schnellsten weg waren, wahrscheinlich waren das auch rare Langspielplatten.

Was macht eine Platte wertvoll?

Platten die in kleinen Stückzahlen gepresst wurden aus den sechzigern, frühen 70ern mit kleiner Auflage, aber auch bestimmte Labels werden gesucht wie etwa Swirl Vertigo, die frühen Sachen von Motown, im Jazzbereich Blue Note, die frühen Platten aus den 60ern. Das stellt nicht unbedingt immer den musikalischen Wert einer Platte dar. Da kann auch schonmal schräges Zeug drauf sein, das einem persönlich nicht gefällt.

Welche Platten gehen früher wie heute noch problemlos über den Ladentisch?

Über all die Jahre sind es die Klassiker schlechthin. Die erste Led Zeppelin-Platte , Pink Floyd mit „Dark Side of the Moon“ oder „Deep Purple in Rock“. Die werden immer wieder gekauft.

Was war denn die teuerste Platte, die Sie verkauft haben?

Das war „Electric Ladyland“ von Jimi Hendrix mit Original-Autogramm für 1000 Euro. Das war eine heiße Kiste, weil ich viel Zeit investiert habe, um die Unterschrift auf seine Echtheit zu überprüfen.

Kennen Sie den Film „High Fidelity“? Geht es auch manchmal so bei ihnen zu?

Dieser Film ist natürlich überspitzt. Aber es geht manchmal schon so in die Richtung. Hier finden Gespräche statt, Fachsimpeleien, da kann sogar ich nur den Kopf schütteln. Klar, manche meiner Kunden kennen sich besser aus, aber eben nur in ihrem speziellen Ressort, für ihre Bands, ihre Musik die sie lieben. Übrigens: In dem Film werden auch die Mitarbeiter als schräge Typen dargestellt. Das kenne ich nur aus anderen Läden, und es wurde mir auch schon erzählt, dass man abgefertigt wurde, nach dem Motto ‘Was hast du denn für einen komischen Musikgeschmack’. Das geht im Grunde gar nicht und wir behandeln unsere Kunden nicht so.

Man spricht von einem Comeback der Schallpatte, aber wie lange wird sich Vinyl behaupten können?

Bei mir war Schallplatte immer präsent. In den vergangenen 30 Jahren ging es mal auf und ab. In den vergangenen ein, zwei Jahren hat es aber nochmal deutlich angezogen. Es kommen jüngere Leute, die bestimmt nicht mit der Schallplatte aufgewachsen sind.

Downloadportale sind der neue Markt, während der Absatz für Tonträger, vor allem CDs, seit Jahren zerbröselt. Wie sieht die Zukunft aus?

Schwierig einzuschätzen. Es gab immer Prognosen, die ein Ende der Schallplatten besagten. Die werden aber auch noch in Zukunft gesammelt. Ich glaube die CD leidet am meisten darunter, und dass sie sich mal erholen und zum Sammelobjekt wird, bezweifle ich.

http://www.extratipp.com/news/rhein-main/geschaeftsfuehrer-frankfurts-aeltestem-schallplattenladen-interview-3709479.html

Frankfurter Neue Presse, 25.10.2013

Schallplatten Vinyl Frankfurt. Die Welt ist eine Scheibe (Mirco Overländer)

Vinyl-Liebhaber sind eine etwas seltsame, oft tageslichtscheue Spezies. Nicht selten hören sie sich durch ihre meterdicke Plattensammlung. Doch der Ruf eines ehrbaren Vinyl-Liebhabers ist nur so gut wie das Angebot seines bevorzugten Plattenhändlers. Zum Ausklang der 5. Deutschen Plattenladenwoche hat sich FNP-Mitarbeiter Mirco Overländer bei den führenden Plattenhändlern der Stadt umgesehen und deren Bestände durchgeforstet.

Sick Wreckords legt Ingo Schittko (51) seit über einem Jahrzehnt Wert auf gute Gitarrenmusik. „Ich habe gut 15 000 Platten“, sagt Schittko, der alles außer Jazz, Funk, Hitparaden-Musik, Techno, House und Klassik im Angebot hat. Vom Teenie über den altgedienten Rocker bis zum ergrauten Vinyl-Sammler kauft so ziemlich jeder bei Schittko ein, der seinen Plattenspieler mit Rock ’n’ Roll, Punk Rock und Rockabilly füttern möchte. Schulstraße 1, Di.-Fr. 14-19 Uhr, Sa. 11-16 Uhr, www.sickwreckords.de

Number Two Records: Hier kann muss man sich beim Stöbern zwischen Rock-Pop, Klassik, Jazz, Krautrock und einer großen Hip-Hop-Rubrik entscheiden. Die günstigsten 2nd hand-Scheiben gibt es ab 5 Euro. Der Vinyl-Bestand umfasst gut 15 000 Exemplare, der Bestand wechselt ständig.

Wallstraße 15, Di.-Fr. 11-20 Uhr, Sa. 10-16 Uhr, www.no2-records.de

IBei Freebase Records kommen Electro- und Indie-Fans voll auf ihre Kosten. Auch gibt es unter den gut 10 000 Scheiben ausgewählten Alternative-Rock. „Eine Schallplatte kann tiefere Frequenzen besser wiedergeben als eine digitale Kopie“, erklärt Christopher Holz, warum Frankfurts DJs noch immer gerne bei ihm Vinyl einkaufen, statt auf digitale Musik umzusteigen. Electro-Pionier Sven Väth gehört seit jeher zur treuen Stammkundschaft. Inzwischen lässt er hier wöchentlich die neuesten Platten einkaufen.

Brückenstraße 36, Mo,-Fr, 11-20 Uhr, Sa. 11-18 Uhr, www.freebase-records.com

Im In Between hat Michael Steinemann (55), seit vier Jahren das Sagen. Bei ihm gibt es gut 1500 Jazz-Vinyls, 1000 Soul- und Black Music-Alben sowie eine ordentliche Auswahl an 70er-Jahre-Rock zu kaufen. Michael Steinemann versteht sich als kompetenter Ansprechpartner für Sammler, berät aber auch gerne Laufkundschaft.

Walter-Kolb-Str. 5-7, Di.-Fr. 11- 18 Uhr, Sa. 10-14 Uhr, www.inbetween-shop.com

City Beat Records ist seit 17 Jahren in der Hand von Ettore Lauria (48). Im 50 Quadratmeter kleinen Laden stapeln sich gut 30 000 Schallplatten bis unter die Decke. Der musikalische Schwerpunkt liegt auf Black Music aus den 70er- bis 90er-Jahren. Auch gibt es Juwelen aus den Genres Oldschool-Rap und Chicago-House zu kaufen.

Dreieichstraße 5, Mo.-Fr. 12-19, Sa. 12-16 Uhr, www.citybeatrecords.de

Im Bigblack beschäftigt sich Gürcim Pesin (44) mit dem An- und Verkauf von Nischen-Musik (fast) aller Art: „Ich kaufe gerne ein, was ich selbst noch nicht gehört habe“, sagt Gürcim Pesin (44), dessen Herz für Soul, Jazz, Rock, Reggae und Weltmusik schlägt. Knapp 10 000 Platten hat er davon stet vorrätig.

Eiserne Hand 8-10, Di.-Fr. 11-19 Uhr, Sa. 10-14 Uhr, www.bigblack.de

Tactile Music gründete Klaus Matthias Maier (44) vor knapp drei Jahren. Der Chef legt Wert auf ein sehr vielseitiges Programm mit Schwerpunkt auf elektronischer Musik. Das Sortiment umfasst Clubbeats, Listening, Experimental, Funk, Soul, Reggae, Dub und Jazz. 80 Prozent der Platten sind Neuware. DJs und Musikliebhaber aller Altersgruppen kaufen hier gerne ein.

Kaiserstr. 62-64, Di.-Fr. 14-20 Uhr, Sa. 12-18 Uhr, twww.tactilemusic.de

Im analogetontraeger fand Alexander Timme (39) vor drei Jahren seine musikalische Heimat. Hier gibt es hauptsächlich Klassik und Jazz sowie edle Hifi-Anlagen zu kaufen. „Hier geht es um Hörgenuss“, betont Timme, der Herr über gut 3500 Platten ist und seinen Kunden gerne Kaffee serviert.

Gronauer Straße 2, Mi.-Fr- 14-19 Uhr, Sa. 10-16 Uhr, www.analogetontraeger.de

Im Mythos Records gibt es gebrauchte Rock-Raritäten und Krautrock zu kaufen. 10 000 Vinyls umfasst das Sortiment.

Höhenstraße 20, Mo.-Fr. 14- 20 Uhr, Sa. 11-17 Uhr, www.mythos-records.net

Die Musical Box von Wolfgang Stolle (51) hat sich auf Rock, Jazz, und Klassik aus den60er- und 70er-Jahren spezialisiert. Im Laden stehen gut 5000 Scheiben bereit.

Große Seestraße. 40, Mo.-Fr. 13-19.30 Uhr, Sa. 10-16 Uhr, www.musical-box.de

http://www.fnp.de/lokales/frankfurt/Die-Welt-ist-eine-Scheibe;art675,665512

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Neue Zürcher Zeitung, 07.10.2011

Die gute alte Zeit?  Wie die Langspielplatte aus Vinyl überlebt hat – und warum (Marco Frei)

Lange galt die Langspielplatte als tot. Seit einigen Jahren erlebt sie eine Wiederbelebung, die selbst Kenner der Szene überrascht. Das Geschäft mit der LP spielt sich in einer Nische ab, weist aber Zuwachsraten auf. Was hat es mit dem «Vinyl-Boom» auf sich?

Wenn Alexander Timme von seinem Geschäft spricht, bleibt er gelassen. «Natürlich braucht man Enthusiasmus und Willen», sagt der 37-Jährige. «Ein Risiko bleibt immer. Aber wenn man etwas will, geht es auch.» Sein Geschäft ist ein Plattenladen, den er im November 2010 in Frankfurt am Main eröffnet hat. «analogetontraeger» heisst er, hier werden ausschliesslich alte Langspielplatten aus Klassik und Jazz mitsamt den dazugehörigen Plattenspielern verkauft. Vor zehn Jahren hätte man Timme wohl für verrückt erklärt, nach nicht einmal einem Geschäftsjahr steuert sein Laden auf eine «schwarze Null» zu.

Boom in der Nische

Tatsächlich sind in den vergangenen Jahren einige Geschäfte gegründet worden, die sich einzig auf Vinyl konzentrieren; Timmes Laden zählt zu den jüngsten Neugründungen. Schon wird von einem «Run auf Vinyl» berichtet, wobei selbst jüngere Kunden, die nur mit der CD aufgewachsen sind, zur LP griffen. Gerade üppig fällt dieser «Vinyl-Boom» freilich nicht aus. Jedenfalls wurden gemäss dem Bundesverband Musikindustrie 2010 in Deutschland 600 000 LP und 98,7 Millionen CD verkauft; der Interessenverband der schweizerischen Tonträgerproduzenten (Ifpi) meldet 30 000 LP und 7,8 Millionen CD.

Gleichwohl erscheinen immer mehr CD-Publikationen parallel auch auf LP, und nicht nur Vinyl-Händler berichten von «steigenden Umsätzen». Auch bei Ludwig Beck in München entsteht nun ein Sortiment mit Neuerscheinungen auf Vinyl. «Der LP-Anteil am Tonträgermarkt wird grösser», erklärt Abteilungsleiter Thiemo Brüll. Zwar sei dieser am Gesamtmarkt «nicht so elementar, aber für sich genommen ist das ein super Ergebnis» – zumal viele den analogen Tonträger mit der Einführung der CD Anfang der 1980er Jahre abgehakt hatten.

Der neue digitale Tonträger war praktischer in der Handhabung, liess sich platzsparender verstauen, und für störende Nebengeräusche durch Staub war er weniger anfällig. Um das Verschwinden des «Kulturguts Schallplatte» zu verhindern, wurde 1990 in Deutschland die «Analogue Audio Association» (AAA) gegründet; 1991 folgte die Schweizer Sektion. Die «audiophilen Hörer» wie auch die «Disco-Szene», welche die Platten zum sogenannten «Scratching» brauchten, verhinderten, dass Vinyl ausstarb.

«Was damals auch von den Medien totgesagt wurde, war gar nicht so tot», folgert Albert Lukaschek – «als Massenprodukt natürlich schon, innerhalb der Nische aber nicht.» Lukaschek ist Inhaber der gleichnamigen Firma für Hi-Fi-Elektronik im schweizerischen Neuhausen am Rheinfall. 1994 hat er sie von Ernst Benz übernommen; sie stellt Tonabnehmer für Plattenspieler her. «Damals produzierten wir jährlich 500 Stück, heute sind es zirka 2500. Wir könnten doppelt so viel liefern, aber wir legen Wert auf Qualitätskontrolle.» Einen stetigen Aufwärtstrend attestiert auch Kai Seemann seinem Unternehmen «Speakers Corner» bei Kiel; es hat sich auf Wiederaufnahmen auf LP und den Vertrieb von Vinyl spezialisiert. «Von 2009 mit der Weltwirtschaftskrise abgesehen, hatten wir in den nunmehr 18 Jahren seit unserer Gründung steigende Umsätze – mal im einstelligen, aber auch im zweistelligen Prozentbereich.» Heute verkaufe man jährlich rund 50 000 bis 60 000 eigene LP-Produktionen, zudem vertreibe man bis zu 15 000 Fremdproduktionen.

Ausdruck einer Geisteshaltung

Konstante Verkaufszahlen meldet der Plattenspieler-Hersteller Thorens, der heute im schweizerischen Giebenach sitzt. «Unser Umsatz ist im einstelligen Millionenbereich», so der Eigentümer Heinz Rohrer. Aus allen Bereichen des Vinylmarktes ähneln sich die Bilanzen, wobei eine verstärkte Wiederbelebung der LP mit der Jahrtausendwende einsetzte. Nicht zuletzt wurden weitere Unternehmen eröffnet, so zum Beispiel der Hi-Fi- und Tonträgervertrieb «Sieveking Sound» in Bremen.

«Wir haben 2004 mit exakt 22 Tonträgern angefangen, heute verkaufen wir jährlich 50 000, darunter zirka 10 000 Vinylplatten», berichtet der Inhaber Jan Sieveking. Doch warum kam es zu einem Boom in der Vinyl-Nische? «Der LP tat es gut, dass es auf dem Digitalmarkt einen Lagerstreit gab», meint Albert Lukaschek. «Neben der CD kamen die Audio-DVD und die Super-Audio-CD (SACD) hinzu, was die Verbraucher verunsicherte. Man bekämpfte sich und verlor gemeinsam.»

Dass sich die SACD nicht durchsetzen konnte, darüber ist Kai Seemann erleichtert: «Dieses klanglich hochwertige Format hätte der Todesstoss für Vinyl sein können.» Indes habe sich der Digitalmarkt selber geschwächt, so Lukaschek. «Letztlich wurde indirekt eingestanden, dass die CD nicht gut genug klingt. Seit ihrer Einführung wurde ihr das vorgeworfen.» Tatsächlich schwören viele Analog-Hörer auf den «wärmeren, facettenreicheren, natürlicheren Klang» von Vinyl, was Lukaschek so nicht stehen lassen möchte.

«Mit hervorragenden Wiedergabegeräten tönt beides gut», sagt er, «eine CD muss nicht blechern und digital klingen.» Dafür befriedigt die LP als Kult- und Retroprodukt auch eine Nostalgie, worin Kai Seemann Parallelen zu anderen Industrien sieht – etwa zur Automobilbranche. «Sterile, leblose Produkte führten generell zu einem Retro-Boom. Mit dem neuen Mini, Käfer oder Cinquecento ist auch Vinyl wieder nach oben gespült worden.» Deshalb ist für Jan Sieveking die LP auch Ausdruck einer Geisteshaltung. «Eine Plattensammlung ist wie eine Bibliothek und hat einen eigenen Geruch», meint er.

Analoger Ruhepol

Vor allem aber zwinge Vinyl, «konzentrierter bei der Musik zu bleiben». Deswegen ist für Heinz Rohrer von Thorens Vinyl «der letzte verbliebene Ruhepol in einer hektischen digitalen Welt». Hier knüpfte Alexander Timme an, als er in Frankfurt seinen Plattenladen gründete. Wie ein Wohnzimmer wirkt das Geschäft, mit zwei Sesseln und Teppich. Man kann in Ruhe stöbern, sich austauschen und Langspielplatten prüfen – bei Kaffee und Keksen. «Bei uns kann man Musse mitnehmen», betont Timme. Vinyl werde weiterleben; grosse Händler pflichten ihm bei.

http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/die-gute-alte-zeit-1.12868477

Frankfurter Rundschau, 12.11.2010

Beethoven trifft Miles Davis auf Vinyl (Melanie Luke)

Ein kurzer Trommelwirbel, darauf folgen flinke Streicher, deren
Melodie immer lauter heranbraust. Nur dass sie kein anderer im Raum hören kann außer dem Mann in Jeans und lässigem Sweatshirt, der entspannt in dem braunen Sessel sitzt. Er hat Kopfhörer auf, die Nadel schwebt leise auf der sich drehenden schwarz glänzenden Schallplatte. Das liest sich jetzt, als wäre es aus den 70ern. Ist aber von heute.
„Ich besetze eine Nische“, sagt Alexander Timme auf die Frage, ob es nicht gewagt sei, heutzutage einen Plattenladen aufzumachen. Denn genau das hat der 1974 in Frankfurt geborene Timme gemacht. Rund 3000 Vinyl- und Schelllackplatten hat der große, schlaksige Mittdreißiger in seinem angenehm übersichtlich eingerichteten Laden mit Namen „analogetonträger“ aufgereiht.
Spezialisiert hat er sich dabei auf Klassik, eine Jazzabteilung befindet sich noch im Aufbau. „So etwas gibt es in Frankfurt bis jetzt nicht“, versichert er. Angefangen hat alles vor ungefähr zehn Jahren. Da flanierte der diplomierte Soziologe wieder einmal über einen Flohmarkt. Als es plötzlich anfing zu regnen, entdeckte er unter einem Tapeziertisch eine alte Beethoven-Plattenbox. Eigentlich zu schade sie dem Regen zu überlassen, dachte er und nahm sie mit.
Heute besitzt der frischgebackene Ladenbesitzer um die 10.000 Platten. Genug, um seine Regale immer wieder aufzufüllen. Auf die Idee mit dem Laden kam er, als sein Vertrag an der Uni auslief und er sich entscheiden musste, wie es weiter gehen soll. Platten hatte er da schon länger über das Internet verkauft und getauscht. Aber das rentierte sich selten. Außerdem wollte er einen Ort, an dem sich Leute treffen, um die Musik auch zu hören. Und das nicht dicht gedrängt im Stehen, sondern gemütlich sitzend in einem Sessel, mit einer Tasse Kaffee dazu.
„Mein Laden soll für die verschiedensten Typen sein“, bekräftigt Timme. Für Sammler genauso wie für Leute, die sich vorher noch nie viel mit Klassik beschäftigt haben. Bei ihm darf und soll man nach Herzenslust stöbern. Denn vorab was suchen, zum Beispiel im Internet, geht bei Timme nicht. Das Stöbern gehört zum Konzept. Gefällt einem eine Platte, kann man sie sich direkt anhören. „Auch bei mir funktioniert das nach dem Prinzip Jäger und Sammler“, scherzt Timme. Und Sammler seien „zuweilen unberechenbar“. Dann wühlt Timme in einem Karton und fördert eine dicke Box zutage: Schuberts Neunte,
Schellack, Jahrzehnte alt. Liebevoll blättert er durch die Seiten, holt vorsichtig die noch unversehrten Platten aus der Hülle. „Die haben sogar den Krieg überstanden“, sagt er dann, fast ein bisschen ehrfürchtig.
So etwas ist für ihn auch ein Zeitzeugnis und ein persönliches Überbleibsel des früheren Besitzers. Viele Platten, die im Original oft sehr hochpreisig sind, kann man bei Timme als Nachpressungen bekommen.

http://www.fr-online.de/frankfurt/bornheim-beethoven-trifft-miles-davis-auf-vinyl,1472798,4829728.html

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Frankfurter Rundschau, 20.04.2012

Verliebt in Vinyl (Stephan Loichinger)

Unabhängige Plattenläden sind rar, aber den Besuch wert. Ein Rundgang durch ausgewählte Frankfurter Geschäfte.

Obwohl im vorigen Jahr so viele Vinyl-Platten in Deutschland verkauft wurden wie seit 1994 nicht mehr, immerhin 1,65 Millionen dieser schönen schwarzen Scheiben, bleibt die Schallplatte im digitalen Zeitalter ein Nischenformat. Und so führt diese Geschichte über Plattenläden in Frankfurt von einer Nische in die nächste. Sie beginnt in einem zweistöckigen Ladenlokal in der von Friseursalons und indischen Supermärkten geprägten Kaiserpassage am Hauptbahnhof.

Der wahre, warme Klang

Klaus Matthias Maier hat seine Nische so eingerichtet, dass oben der Löwenanteil des Sortiments und unten nur wenige Neuerscheinungen stehen. Dazu hängen an den Wänden, wie Bilder, aktuelle Empfehlungen des Hauses: elektronische Musik, Sonic Youth, Afro-Beat, eine Bluesplatte von Dr. John. Es ist das Schaufenster des Ladens, den Maier im November 2010 eröffnet und Tactile genannt hat. Unten ist mit einem Sofa und mit zwei Plattenspielern auch die Hörecke. Das macht die Nische gemütlicher, vor allem aber robuster gegen die Konkurrenz aus Musikmärkten und Online-Händlern.

„Ich verkaufe Platten, weil es meine Leidenschaft ist. Es gehörte schon Mut, vielleicht auch Wahnsinn dazu, den Laden hier aufzumachen, aber mittlerweile läuft er ganz gut. Die Kunden schätzen meine Beratung und auch, dass das Angebot hier so vielseitig ist“, sagt Maier.

Ohne Leidenschaft, Wahnsinn, Beratung kommt kein Plattenhändler aus. Das ist gut für die Kunden: Ein Amazon-Algorithmus, der aufgrund vorheriger Einkäufe Vorschläge macht, kann nicht die Beratung eines Experten ersetzen, der wie Maier seit 20 Jahren in der Branche arbeitet. Ein Laden des Vertrauens ist ein Filter im Überangebot an Musik.

In Zahlen ausgedrückt: Wenn in der Woche 70 bis 80 neue Platten erscheinen, bestellt Joscha Baumert davon ein Fünftel. Der 32-Jährige machte im Dezember 2008 seinen auf House spezialisierten Laden Deo Records in der Bethmannstraße auf: mitten in der Stadt, und doch laufen viele erst einmal vorbei. Von außen sieht der Laden mit dem großen leeren Schaufenster aus wie eine Galerie. Hinten im Raum stehen die Platten in zwei Regalen, rechts die neuen, links die alten. Es ist offensichtlich, dass sie einen Filter durchlaufen haben.

„Ich will nicht, dass die Platten zu lange hier im Laden stehen“, sagt Baumert. Bei ihm kaufen vornehmlich DJs, immer auf der Suche nach Neuem.

DJs hielten lange neben audiophilen Plattensammlern das Vinyl am Leben. Zwar mehren sich die, die mit Rechnern digitale Formate auflegen, aber der wahre warme Klang steckt eben doch zwischen den schwarzen Rillen. „Vinyl klingt einfach besser, außerdem arbeiten Produzenten wieder öfter mit analogen Geräten – also bevorzugen sie beim Hören auch ein analoges Produkt“, sagt Baumert.

Klaus Matthias Maier sagt, ganz klar sei der Klang von auf Vinyl gepresster Musik überlegen. „Platten halten sich auch länger und haben eine Haptik. Hörer nehmen die Platte in die Hand, setzen die Nadel auf – da nehmen sie Musik ganz automatisch intensiver wahr. Ich glaube an die Nische Vinyl.“

Wie Maier und Baumert beobachten auch Günter Henn von Lucky Star Records und Alexander Timme von Analogetontraeger, zwei Läden in Bornheim: Platten kaufen nicht mehr nur Menschen, die damit aufwuchsen, also Ältere. „Die jüngeren Leute entdecken das besondere Flair des Vinyls“, sagt Henn, der in seinem Laden gegenüber des großen Rewe-Markts im früheren Straßenbahndepot 17-jährige Schüler bis 70-jährige Jazzliebhaber stöbern sieht. Lucky Star Records ist vollgestopft mit Platten, anders als die übrigen hier vorgestellten Läden. Henn, der den Laden vor beinahe fünf Jahren eröffnete, ist der Navigator durch die Regale mit den gut 10000 Scheiben. „Ich betreibe das Ganze hier mit Herzblut“, sagt er. Verliebt in Vinyl? Klar, „das ist nicht einfach ein Konsumartikel, darauf passt man auf“, sagt der 50-Jährige.

Einen Steinwurf entfernt vom Lucky Star macht Alexander Timme seit Ende 2010 Jazz- und Klassikfreunde glücklich. Das Herz des Ladens bilden zwei Plattenspieler und eine herrliche analoge Anlage mit Röhrenvor- und -endstufen zum Probehören. Dazu reicht Timme Kaffee, der Kunde nimmt auf Polstermöbeln Platz. In Timmes Laden, einer Nische für Neugierige, wird Musik zum Genussmittel, und so soll es ja sein.

http://www.fr-online.de/freizeittipps/plattenlaeden-verliebt-in-vinyl-,1474298,14961022.html